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Haarwissenschaft8 Min. Lesezeit

Was ist telogenes Effluvium? Haarausfall nach Stress, Krankheit und Geburt

Telogenes Effluvium ist ein diffuser Haarausfall, der entsteht, wenn ein Auslöser viele Haarwurzeln gleichzeitig in die Ruhephase versetzt. Wir erklären, warum er erst Monate später beginnt, wie sich die akute und die chronische Form unterscheiden und wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten.

In diesem Beitrag

Was ist telogenes Effluvium?

Beim telogenen Effluvium (auch Telogeneffluvium geschrieben) gehen mehr Haarwurzeln als gewöhnlich gleichzeitig in die Ruhephase über, und einige Monate später fallen diese Haare gemeinsam aus. Telogen ist der Name der Ruhephase des Haares; Effluvium bedeutet Ausfall.

Jeder Follikel (jede Haarwurzel) der Kopfhaut durchläuft einen Zyklus aus Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase; diesen Zyklus erklären wir in unserem Beitrag zum Haarzyklus. Normalerweise befinden sich etwa 10–15 % der Haare in der Ruhephase, und jeden Tag fällt ein Teil davon aus. Beim telogenen Effluvium steigt dieser Anteil deutlich; deshalb finden Sie im Kamm, auf dem Kopfkissen und in der Dusche mehr Haare als gewöhnlich.

Beim telogenen Effluvium werden die Follikel nicht dauerhaft geschädigt; anstelle des ausgefallenen Haares wächst im selben Follikel ein neues. Deshalb führt telogenes Effluvium allein nicht zu einer Glatze. Trotzdem kann das Haar deutlich lichter werden, und diese Zeit kann für viele Menschen beunruhigend sein.

Was löst telogenes Effluvium aus?

Wenn der Körper einer starken Belastung ausgesetzt ist, beendet ein Teil der Follikel die Wachstumsphase früher als gewöhnlich und geht in die Ruhephase über. Die Ruhephase dauert etwa drei Monate; an ihrem Ende beginnt der Follikel, ein neues Haar zu bilden, und das alte Haar fällt aus. Deshalb beginnt der Haarausfall nicht gleichzeitig mit dem Auslöser, sondern meist etwa zwei bis drei Monate später. Diese Verzögerung ist auch der Grund, warum viele Menschen den Haarausfall nicht mit seiner Ursache in Verbindung bringen.

Häufig beschriebene Auslöser sind:

  • Fieberhafte Erkrankungen: Infektionen mit hohem Fieber oder schwerem Verlauf, etwa Grippe oder COVID-19.
  • Geburt: Haare, die während der Schwangerschaft unter dem Einfluss der Hormone länger als gewöhnlich in der Wachstumsphase bleiben, gehen nach der Geburt gemeinsam in die Ruhephase über. Der Haarausfall wird oft einige Monate nach der Geburt deutlich; bei vielen Frauen hat das Haar bis zum ersten Geburtstag des Babys seine frühere Fülle zurückgewonnen.
  • Große körperliche Belastungen: eine Operation, ein Unfall oder eine schwere Erkrankung.
  • Rascher Gewichtsverlust und strenge Diäten: besonders eine Ernährung mit sehr wenig Kalorien oder zu wenig Eiweiß.
  • Starker seelischer Stress: Trauer, eine Trennung oder lange Phasen großen Drucks. Wie stark Stress allein wirkt, lässt sich allerdings schwer bestimmen.
  • Bestimmte Medikamente: manche neu begonnenen oder umgestellten Medikamente (zum Beispiel bestimmte Blutverdünner, Vitamin-A-Derivate und Blutdruckmittel) sowie das Absetzen hormoneller Medikamente wie der Antibabypille.
  • Anhaltende gesundheitliche Probleme: Auch Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel und manche chronischen Krankheiten können mit diesem Haarausfall zusammenhängen.

Wenn Sie vermuten, dass ein Medikament den Haarausfall verursacht, setzen Sie es nicht eigenmächtig ab; sprechen Sie mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt. Manchmal kommen mehrere Auslöser zusammen, manchmal lässt sich kein eindeutiger Auslöser finden.

Haarausfall, der innerhalb von Tagen oder Wochen nach bestimmten Behandlungen wie einer Chemotherapie beginnt, ist dagegen ein anderes Krankheitsbild (anagenes Effluvium: Ausfall von Haaren, die sich in der Wachstumsphase befinden).

Was unterscheidet akutes und chronisches telogenes Effluvium?

Telogenes Effluvium ist meist eine begrenzte Phase, die auf einen einzelnen Auslöser zurückgeht; man spricht dann von akutem telogenem Effluvium. Hält der Haarausfall länger als sechs Monate an, spricht man von chronischem telogenem Effluvium.

Allgemeine Merkmale des akuten und des chronischen telogenen Effluviums
MerkmalAkutChronisch
DauerKürzer als sechs MonateLänger als sechs Monate; manchmal über Jahre
BeginnMeist etwa zwei bis drei Monate nach einem eindeutigen AuslöserKann mit einem Auslöser beginnen; ein eindeutiger Auslöser lässt sich nicht immer finden
Wer ist betroffen?Menschen jeden Alters, Frauen wie MännerAm häufigsten bei Frauen mittleren Alters beschrieben
VerlaufBessert sich meist von selbst, wenn der Auslöser wegfälltKann in Phasen mit mal stärkerem, mal schwächerem Haarausfall anhalten; die Follikel bleiben erhalten

Bei der akuten Form lässt der Haarausfall meist innerhalb einiger Monate nach, sobald der Auslöser weggefallen ist. Bis das Haar seine frühere Fülle zurückgewinnt, dauert es jedoch länger, oft mehrere Monate. Da Haar etwa einen Zentimeter im Monat wächst, kann es bei langem Haar länger dauern, bis man die Erholung bemerkt.

Bei der chronischen Form wird geprüft, ob eine Ursache den Haarausfall aufrechterhält, etwa ein Schilddrüsenproblem, Eisenmangel, Mangelernährung oder ein regelmäßig eingenommenes Medikament. Chronisches telogenes Effluvium kann mit Haarausfall vom weiblichen Typ im Frühstadium verwechselt werden; beide können auch zusammen auftreten. Die Ärztin oder der Arzt unterscheidet sie durch die Untersuchung und bei Bedarf durch weitere Abklärungen.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen, und welche Laborwerte sind nötig?

Ist der Haarausfall einige Monate nach einem eindeutigen Auslöser aufgetreten und lässt er bereits nach, sind umfangreiche Laboruntersuchungen meist nicht nötig. Trotzdem empfehlen wir Ihnen, sich ärztlich beraten zu lassen, statt die Ursache selbst zu erraten. In folgenden Fällen ist es besonders wichtig, eine Hautärztin oder einen Hautarzt aufzusuchen:

  • Der Haarausfall hält länger als sechs Monate an oder lässt nicht nach
  • Die Haare fallen stellenweise aus, oder in einem bestimmten Bereich entsteht eine kahle Stelle
  • Die Kopfhaut juckt, ist gerötet, schuppt oder schmerzt
  • Ihr Scheitel wird breiter, oder die Haare werden allmählich dünner
  • Weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder eine unregelmäßige Monatsblutung kommen hinzu
  • Sie finden keinen eindeutigen Grund für den Haarausfall

Die Diagnose wird meist nach einem ausführlichen Gespräch und einer Untersuchung gestellt. Die Ärztin oder der Arzt sieht sich Ihre Kopfhaut an, kann einen Haarzugtest durchführen (dabei wird vorsichtig an einer Haarsträhne gezogen, um zu sehen, wie viele Haare sich leicht lösen) und mit der Trichoskopie (Untersuchung der Kopfhaut mit einem vergrößernden Gerät) die Dicke der Haare und kurze, nachwachsende Haare beurteilen.

Ist die Ursache unklar oder hält der Haarausfall lange an, können Blutuntersuchungen veranlasst werden. Dazu gehören häufig ein großes Blutbild, Ferritin, das die Eisenspeicher anzeigt, und Schilddrüsenwerte; je nach Beschwerden können weitere Werte hinzukommen. Wenn Sie ein Präparat mit Biotin einnehmen, sagen Sie dies Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, da es manche Laborergebnisse beeinflussen kann. In manchen schwer abzugrenzenden Fällen kann eine kleine Gewebeprobe aus der Kopfhaut (Biopsie) nötig sein. Woran Sie erkennen, ob Ihr Haarausfall noch normal ist, erklären wir gesondert im Beitrag Wann ist Haarausfall nicht mehr normal?

Was wissen wir noch nicht?

  • Warum reagiert nicht jeder gleich auf denselben Auslöser? Nach einer fieberhaften Erkrankung oder einer Geburt fallen bei manchen Menschen deutlich Haare aus, bei anderen gar nicht. Der Grund für diesen Unterschied ist nicht vollständig bekannt.
  • Wie wirkt Stress auf den Follikel? Dass Stresshormone und Nervensignale den Zyklus des Follikels beeinflussen können, ist vor allem aus Tierstudien bekannt; wie dieser Einfluss beim Menschen im Einzelnen aussieht, ist noch unklar.
  • Welcher Eisenwert ist entscheidend? Studien zum Zusammenhang zwischen Eisenmangel und Haarausfall kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Unterhalb welchen Ferritinwerts Eisenmangel zum Haarausfall beiträgt, darüber besteht ebenfalls keine Einigkeit.
  • Lässt sich die Erholung beschleunigen? Es gibt kein Medikament speziell für telogenes Effluvium, dessen Wirkung gut belegt ist. Im Mittelpunkt steht, einen möglichen Auslöser zu finden und zu beheben und dem Haar Zeit zu geben, sich von selbst zu erholen. In manchen Fällen kann eine zusätzliche Behandlung infrage kommen; diese Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach einer Beurteilung. Beginnen Sie nicht eigenmächtig mit Medikamenten. Es gibt auch keine überzeugenden Belege dafür, dass Vitaminpräparate den Haarausfall verkürzen, wenn kein Mangel besteht; Einzelheiten finden Sie in unserem Beitrag Haarvitamine und Biotin.
  • Helfen PRP oder Mesotherapie? Diese begleitenden Anwendungen sind keine etablierte Behandlung des telogenen Effluviums. Die meisten Studien dazu befassen sich mit erblich bedingtem Haarausfall; ob sie beim telogenen Effluvium einen Nutzen haben, ist nicht bekannt.

Wie wirkt sich telogenes Effluvium auf die Planung einer Haartransplantation aus?

Telogenes Effluvium lässt sich durch eine Haartransplantation nicht beheben. Da die Follikel erhalten bleiben, wachsen die Haare, die bei diesem Haarausfall verloren gehen, meist von selbst nach. Bei einer Haartransplantation verpflanzen wir dagegen Haarwurzeln aus dem Spenderbereich am Hinterkopf und an den Seiten, der von erblich bedingtem Haarausfall vergleichsweise wenig betroffen ist, in lichte oder kahle Bereiche.

Eine Transplantation zu planen, solange starker Haarausfall anhält, ist ebenfalls nicht sinnvoll. Da telogenes Effluvium den ganzen Kopf betrifft, kann in dieser Zeit auch der Spenderbereich licht wirken. Dann können wir weder die tatsächliche Dichte Ihrer Haare noch das, was Ihr Spenderbereich hergeben kann, zuverlässig beurteilen. Deshalb empfehlen wir, die Transplantation zu verschieben, bis sich der Haarausfall beruhigt hat und seine Ursache geklärt ist.

Manchmal macht ein telogenes Effluvium einen bereits bestehenden erblich bedingten Haarausfall sichtbarer. Bleibt das Haar in bestimmten Bereichen licht, nachdem sich der Haarausfall beruhigt hat, können wir die Option einer Transplantation bei einer Untersuchung zu diesem Zeitpunkt besprechen.

Der Schockhaarausfall, der in den Wochen nach einer Haartransplantation auftreten kann, lässt sich durch eine ähnliche Verschiebung im Zyklus erklären; der Unterschied ist, dass er meist auf den transplantierten Bereich und seine Umgebung beschränkt bleibt. Dieses Thema behandeln wir in unserem Beitrag zum Schockhaarausfall.

Wie berücksichtigen wir telogenes Effluvium bei der Untersuchung?

Wenn Sie wegen Haarausfall zu uns kommen, sprechen wir zuerst darüber, wann der Haarausfall begonnen hat und ob es in den Monaten davor einen Auslöser gab, etwa eine fieberhafte Erkrankung, eine Geburt, eine strenge Diät oder ein neues Medikament.

Danach sehen wir uns nicht nur den lichter werdenden Bereich an, sondern die gesamte Kopfhaut einschließlich des Spenderbereichs. Unterschiede in der Dicke der Haare, die Frage, ob der Haarausfall diffus ist oder sich auf bestimmte Bereiche beschränkt, und der Zustand der Kopfhaut geben uns Orientierung.

Vermuten wir ein telogenes Effluvium oder eine andere Erkrankung, die nichts mit einer Haartransplantation zu tun hat, empfehlen wir Ihnen, sich an eine Hautärztin oder einen Hautarzt zu wenden. Online stellen wir keine Diagnose; auch Fotos reichen für diese Diagnose nicht aus. Ob Sie für eine Haartransplantation geeignet sind, wird bei der Untersuchung festgestellt; auch die Ergebnisse sind von Person zu Person verschieden.

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Hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer; wir melden uns telefonisch oder per WhatsApp bei Ihnen. In diesem Formular fragen wir weder Gesundheitsdaten noch Fotos ab.

Wie geht es weiter?

  1. Wir melden uns telefonisch oder per WhatsApp und vereinbaren mit Ihnen einen passenden Termin für das Vorgespräch.
  2. Im Vorgespräch hören wir uns Ihre Erwartungen an und erklären Ihnen den Eingriff und den Ablauf. Falls Fotos nötig sind, sagen wir Ihnen gesondert, wie Sie sie teilen können.
  3. Ob ein Eingriff für Sie geeignet ist, wird bei der ärztlichen Untersuchung entschieden. Kosten und Termine besprechen wir nach der Planung.

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