Afro-Haartransplantation
Bei Afro- und stark gelocktem Haar verlaufen auch die Wurzeln unter der Haut gekrümmt. Wir erklären klar und in einfachen Worten, wie wir bei dieser Haarstruktur die Grafts entnehmen, worauf wir bei der Untersuchung achten und wo die Grenzen einer Transplantation liegen.
Was ist an Afro-Haar anders?
Bei glattem Haar verläuft die Wurzel unter der Haut meist gerade. Bei Afro- und stark gelocktem Haar ist das einzelne Haar dagegen nicht nur außerhalb der Haut, sondern auch darunter gekrümmt. Wie die Wurzel unter der Haut verläuft, können wir von außen nicht genau sehen.
Die Grundschritte der Haartransplantation bleiben gleich: Wir entnehmen die Grafts einzeln aus dem Spenderbereich und setzen sie im Empfängerbereich ein. Der Unterschied ist, dass wir bei jedem Schritt diese Krümmung berücksichtigen.
Wie entnehmen wir die Grafts und wie setzen wir sie ein?
Bei der FUE-Methode lösen wir jedes Graft mit einer feinen Hohlnadel aus dem umgebenden Gewebe und entnehmen es. Der Versuch, eine gekrümmte Wurzel in gerader Richtung zu entnehmen, kann die Wurzel beschädigen. Deshalb passen wir den Durchmesser der Hohlnadel, den Winkel und die Tiefe an den Verlauf der Wurzel unter der Haut an.
Dieser Schritt erfordert Geduld und dauert meist länger als bei glattem Haar. Auch wenn wir sorgfältig arbeiten, ist das Risiko, dass Grafts beschädigt werden, wegen der gekrümmten Wurzeln höher als bei glattem Haar; das berücksichtigen wir bei der Planung.
Einsetzen
Gekrümmte Grafts brauchen mehr Platz. Deshalb öffnen wir die Kanäle passend zur Größe der Grafts und achten beim Einsetzen auf die Richtung der Krümmung und auf den Austrittswinkel Ihrer umliegenden Haare. Wir setzen die Grafts in vorab geöffnete Kanäle (zum Beispiel bei Saphir-FUE) oder, wenn es passt, mit dem Implanter-Stift (DHI) ein; womit wir arbeiten, entscheiden wir bei der Planung.
Worauf achten wir bei der Untersuchung?
Bei Afro-Haar ist die Untersuchung der wichtigste Teil der Planung. Gemeinsam sehen wir uns Folgendes an:
- Ob frühere Verletzungen bei Ihnen erhabene oder verdickte Narben hinterlassen haben
- Ob auf der Kopfhaut, besonders im Nacken, pickelähnliche Erhebungen oder eine vernarbende Erkrankung vorhanden sind
- Ob Haarausfall durch Frisuren besteht, die am Haar ziehen, etwa Zöpfe, Extensions oder straffes Zusammenbinden
- Die tatsächliche Haardichte im Spenderbereich
- Die Dicke und Elastizität Ihrer Kopfhaut
Keloide und Neigung zur Narbenbildung
Bei jeder Haartransplantation entstehen an den Stellen, an denen Grafts entnommen und eingesetzt werden, kleine Wunden in der Haut. Bei manchen Menschen reagiert die Haut auf diese kleinen Wunden mit erhabenem, verdicktem Narbengewebe; wächst dieses Gewebe über die Wundränder hinaus, spricht man von einem Keloid. Diese Neigung kommt bei Menschen mit dunkler Haut häufiger vor.
Wenn Sie oder jemand in Ihrer Familie zu solchen Narben neigen, sagen Sie uns das bei der Untersuchung bitte unbedingt. Ist die Neigung ausgeprägt, richten wir den Plan danach aus; in manchen Fällen empfehlen wir keine Haartransplantation.
Sichtbare und tatsächliche Haardichte
Lockiges Haar bedeckt die Kopfhaut meist stärker als glattes Haar. Im Empfängerbereich kann das von Vorteil sein; es kann aber auch den Spenderbereich dichter erscheinen lassen, als er ist. Deshalb prüfen wir sorgfältig, wie viele Grafts wir aus dem Spenderbereich entnehmen können.
Grenzen
- Ist eine vernarbende Erkrankung der Kopfhaut aktiv, sind zuerst Diagnose und Behandlung nötig; dafür kann auch die Beurteilung durch eine Hautärztin oder einen Hautarzt erforderlich sein. Über eine Transplantation können wir erst sprechen, wenn die Erkrankung lange Zeit ruhig verlaufen ist.
- Auch wenn die Erkrankung zur Ruhe gekommen ist, kann sie nach der Transplantation wieder aktiv werden; zudem können transplantierte Haare in vernarbtem Gewebe schwerer anwachsen.
- Ist der Spenderbereich begrenzt, lässt sich ein großer Bereich möglicherweise nicht so dicht abdecken, wie Sie es sich wünschen.
- Transplantierte Haare behalten die Eigenschaften Ihrer Haare aus dem Spenderbereich; eine Transplantation verändert Ihre Haarstruktur nicht.
Was in Ihrem Fall möglich ist, besprechen wir offen bei der Untersuchung.
Ablauf und Zeit nach dem Eingriff
Der Ablauf umfasst Vorgespräch, Untersuchung und Planung, Behandlungstag und Nachsorge. Unter örtlicher Betäubung entnehmen wir die Grafts und setzen sie ein.
In den ersten Tagen können Rötungen, leichte Schwellungen oder Krusten auftreten. Bei dunkler Haut kann sich die Hautfarbe während der Heilung an den Stellen, an denen Grafts entnommen und eingesetzt wurden, auch aufhellen oder dunkler werden; wie lange dieser Farbunterschied anhält, ist individuell verschieden, und er geht nicht immer vollständig zurück. In den Nachsorgegesprächen verfolgen wir gemeinsam Ihre Heilung, besonders die Narbenbildung. Wenn Sie eine erhabene Narbe bemerken, melden Sie sich bitte umgehend bei uns.
In den Wochen nach dem Eingriff kann ein Teil der transplantierten Haare oder der umliegenden Haare vorübergehend ausfallen; das nennt man Schockhaarausfall. Bis neue Haare wachsen, vergehen Monate. Wie stark der Schockhaarausfall ausfällt und wann das Ergebnis erkennbar wird, ist von Person zu Person verschieden; Ihren Fortschritt beurteilen wir gemeinsam in den Nachsorgegesprächen.
Für die erste Haarwäsche und die tägliche Pflege erhalten Sie von uns schriftliche Pflegehinweise; richten Sie sich immer nach diesen Hinweisen und nicht nach den allgemeinen Informationen auf dieser Seite.
Mehr zur Nachsorge nach der HaartransplantationHäufige Fragen
Ist bei Afro-Haar eine Haartransplantation möglich?
In geeigneten Fällen ja. Die gekrümmten Wurzeln erschweren die Entnahme der Grafts; Technik und Plan passen wir an diese Haarstruktur an. Ob eine Transplantation für Sie infrage kommt, klärt sich bei der Untersuchung.
Kann ich eine Haartransplantation machen lassen, wenn ich zu Keloiden neige?
Das hängt davon ab, wie ausgeprägt die Neigung ist. Wenn eine frühere Verletzung bei Ihnen eine erhabene oder verdickte Narbe hinterlassen hat, sagen Sie uns das bei der Untersuchung bitte unbedingt. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam, nachdem wir Ihre Neigung zur Narbenbildung und Ihre Kopfhaut untersucht haben; ist die Neigung ausgeprägt, empfehlen wir möglicherweise keine Haartransplantation.
Dauert der Eingriff bei Afro-Haar länger?
In der Regel ja. Um die gekrümmten Wurzeln zu schonen, arbeiten wir vor allem bei der Entnahme der Grafts langsamer. Die ungefähre Dauer in Ihrem Fall teilen wir Ihnen bei der Planung mit.
Kann ich nach der Transplantation Zöpfe oder Extensions tragen?
Damit die transplantierten Haare anwachsen können, müssen Sie eine Zeit lang Frisuren wählen, die nicht am Haar ziehen. Auch danach können Frisuren, die das Haar straff spannen, sowohl die transplantierten als auch Ihre umliegenden Haare beeinträchtigen. Wann Sie zu welchen Frisuren zurückkehren können, besprechen wir gemeinsam anhand Ihrer Heilung.
Ist eine Transplantation in Bereichen möglich, die durch straffe Frisuren licht geworden sind?
In manchen Fällen ja. Zuerst sehen wir uns an, in welchem Ausmaß in diesem Bereich Haarwurzeln verloren gegangen sind und ob die Kopfhaut Narben aufweist. Besteht der Haarausfall erst seit Kurzem, können sich die Haare von selbst erholen, wenn Sie das Haar nicht mehr straff spannen. Da weiteres Spannen auch die transplantierten Haare beeinträchtigen kann, sprechen wir gemeinsam auch über Ihre Frisur.
Haaranalyse
Hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer; wir melden uns telefonisch oder per WhatsApp bei Ihnen. In diesem Formular fragen wir weder Gesundheitsdaten noch Fotos ab.
Wie geht es weiter?
- Wir melden uns telefonisch oder per WhatsApp und vereinbaren mit Ihnen einen passenden Termin für das Vorgespräch.
- Im Vorgespräch hören wir uns Ihre Erwartungen an und erklären Ihnen den Eingriff und den Ablauf. Falls Fotos nötig sind, sagen wir Ihnen gesondert, wie Sie sie teilen können.
- Ob ein Eingriff für Sie geeignet ist, wird bei der ärztlichen Untersuchung entschieden. Kosten und Termine besprechen wir nach der Planung.