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Haarwissenschaft9 Min. Lesezeit

Wie wirken sich Rauchen und Nikotin auf die Heilung nach einer Haartransplantation aus?

Rauchen kann die Heilung nach einer Haartransplantation beeinträchtigen, weil weniger Blut und Sauerstoff die Haut erreichen. Wir erklären, wie es dazu kommt, was Studien aus der Chirurgie zeigen und was über E-Zigaretten und Nikotinpflaster noch nicht bekannt ist.

In diesem Beitrag

Warum beeinflusst Rauchen die Heilung nach einer Haartransplantation?

Rauchen kann die Heilung nach einer Haartransplantation verlangsamen und die Wahrscheinlichkeit von Problemen wie einer Wundinfektion erhöhen. Infektionen nach einer Haartransplantation sind selten; Rauchen gehört jedoch zu den Faktoren, die diese Wahrscheinlichkeit beeinflussen können – und es ist ein Faktor, den Sie selbst ändern können.

Bei einer Haartransplantation entstehen im Spenderbereich viele kleine Wunden, wenn die Grafts (kleine Gewebestücke mit einer oder mehreren Haarwurzeln) entnommen werden; im Empfängerbereich wird außerdem für jedes Graft ein kleiner Kanal geöffnet. Ob sich diese Wunden schließen, ob die Grafts an ihrem neuen Ort versorgt werden und ob der Bereich vor Keimen geschützt ist, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie viel Blut dorthin gelangt: Das Blut bringt Sauerstoff, Nährstoffe und Abwehrzellen ins Gewebe. Wie ein Graft aufgebaut ist, erklären wir in unserem Beitrag zur Frage, was ein Graft ist.

Die Kopfhaut ist reich an Blutgefäßen; das ist auch ein Grund dafür, dass kleine Wunden dort in der Regel gut heilen. Rauchen kann jedoch die Menge an Blut und Sauerstoff verringern, die die Haut erreicht, und auch die Arbeit der Zellen beeinträchtigen, die die Wunde schützen und reparieren. Wie stark sich das auswirkt, ist von Person zu Person verschieden; eine Rolle können dabei spielen, wie viel und seit wann Sie rauchen und wie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist.

Auf welchen Wegen beeinflusst Rauchen die Heilung?

Nikotin verengt die Blutgefäße

Nikotin steigert im Körper die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin (Katecholaminen). Diese Stoffe lassen die kleinen Blutgefäße der Haut enger werden (Vasokonstriktion), sodass weniger Blut in die Haut gelangt. Dieser Effekt setzt nach jeder Zigarette erneut ein und hält eine Weile an; wird über den Tag verteilt häufig geraucht, kann die Haut einen großen Teil des Tages schlechter durchblutet sein.

Nikotin und einige andere Stoffe im Rauch können außerdem die Neigung der Blutplättchen (Thrombozyten) verstärken, aneinanderzuhaften. Das kann den Blutfluss in sehr kleinen Gefäßen erschweren.

Kohlenmonoxid verringert den Sauerstoff, den das Blut transportiert

Der Rauch, der beim Verbrennen von Tabak entsteht, enthält Kohlenmonoxid. Kohlenmonoxid bindet sich viel fester als Sauerstoff an das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen (das Protein, das den Sauerstoff transportiert). Dadurch kann das Blut weniger Sauerstoff transportieren, und das Hämoglobin gibt den Sauerstoff, den es trägt, auch schwerer an das Gewebe ab. In einem Bereich, in dem die Gefäße ohnehin verengt sind, bedeutet das: Das heilende Gewebe erhält noch weniger Sauerstoff.

Immunabwehr und Gewebereparatur

Rauchen kann die Arbeit der Abwehrzellen beeinträchtigen, die die Wunde vor Keimen schützen, ebenso die Funktion der Zellen, die das neue Gewebe zum Verschließen der Wunde bilden (Fibroblasten). Auch die Bildung von Kollagen, dem Baustein des neuen Gewebes, kann abnehmen. Welchen Anteil das Nikotin und welchen die übrigen Stoffe im Rauch an diesen Effekten haben, ließ sich bisher nicht genau auseinanderhalten.

Was bedeutet das für die transplantierten Grafts und den Spenderbereich?

Bei der Entnahme wird die Verbindung des Grafts zu den kleinen Blutgefäßen, die es versorgen, unterbrochen. Man geht deshalb davon aus, dass es in den ersten Tagen nach dem Einsetzen von Flüssigkeit versorgt wird, die aus dem umliegenden Gewebe austritt. In den folgenden Tagen entstehen Verbindungen zu den kleinen Gefäßen der Umgebung, und das Graft wird wieder durchblutet. In dieser Zeit ist es wichtig, dass das Gewebe um das Graft gut durchblutet ist; Faktoren, die Blutfluss und Sauerstoff verringern, können diesen Prozess erschweren.

Die kleinen Wunden im Spenderbereich schließen sich ohne Naht von selbst; auch das hängt vom Blut und Sauerstoff ab, die den Bereich erreichen. Sowohl die erneute Durchblutung des Grafts als auch das Verheilen der Wunden braucht Zeit; deshalb ist es wichtig, dass Sie auch nach dem Eingriff weiter auf das Rauchen verzichten.

Was zeigen Studien?

Wie sich Rauchen auf die Wundheilung auswirkt, wird bei anderen chirurgischen Eingriffen seit Langem untersucht. Viele Studien haben gezeigt, dass bei Menschen, die rauchen, Probleme wie eine verzögerte Wundheilung, Wundinfektionen und das Auseinanderweichen der Wundränder häufiger auftreten als bei Menschen, die nicht rauchen. Am deutlichsten zeigt sich der Nutzen, vor einer Operation auf das Rauchen zu verzichten, bei Wundinfektionen; die Wirkung auf andere Heilungsprobleme ist weniger klar.

Daten speziell zur Haartransplantation sind dagegen begrenzt. Es gibt keine großen Studien, die klar zeigen, in welchem Ausmaß Rauchen das Anwachsen der Grafts beeinflusst. In der Fachliteratur zur Haartransplantation wird auch Rauchen unter den Faktoren genannt, die mit seltenen Heilungsproblemen im Empfängerbereich in Verbindung gebracht werden.

Auf das Rauchen zu verzichten kann helfen, die Wahrscheinlichkeit dieser Probleme zu verringern, schließt sie aber nicht ganz aus; auch bei Menschen, die nicht rauchen, verläuft die Heilung von Person zu Person unterschiedlich.

Wirken sich auch E-Zigarette, Shisha und Nikotinpflaster aus?

Die Antwort hängt vom Produkt ab. Um die Produkte zu unterscheiden, helfen zwei Fragen: Enthält das Produkt Nikotin? Wird Tabak oder Kohle verbrannt? Nikotin verengt die Blutgefäße; bei der Verbrennung entstehen Kohlenmonoxid und die übrigen Stoffe im Rauch.

Eigenschaften von Tabak- und Nikotinprodukten im Hinblick auf die Heilung (allgemeine Information)
ProduktNikotinVerbrennung und KohlenmonoxidWas ist über die Heilung bekannt?
ZigaretteJaJa; der Rauch enthält Kohlenmonoxid und zahlreiche weitere StoffeDas am besten untersuchte Produkt; der Zusammenhang mit Wundproblemen und Wundinfektionen ist gut bekannt
ShishaBei Shisha mit Tabak jaJa; auch die glühende Kohle erzeugt Kohlenmonoxid, daher entsteht es auch bei tabakfreier ShishaEs gibt nur wenige Studien speziell zur Wundheilung; da Kohlenmonoxid und meist auch Nikotin aufgenommen werden, gilt sie nicht als sicherer als die Zigarette
E-ZigaretteIn den meisten Produkten ja; die Menge hängt vom Produkt abKeine Verbrennung; Kohlenmonoxid entsteht in der Regel nur in sehr geringen Mengen, mit dem Dampf werden aber auch andere Chemikalien eingeatmetDie Daten zur Wirkung auf die Wundheilung sind begrenzt; dass sie für die Heilung unbedenklich ist, wurde nicht gezeigt
TabakerhitzerJaDer Tabak wird nicht verbrannt, sondern erhitzt; für Kohlenmonoxid werden niedrigere Werte als bei der Zigarette angegebenDaten zur Wirkung auf die Wundheilung sind sehr begrenzt
Nikotinpflaster, -kaugummi oder -lutschtabletteJa; wird langsamer aufgenommen als beim RauchenNeinZur Rauchentwöhnung eingesetzt, gelten sie als weniger schädlich als das Weiterrauchen; wie Nikotin für sich allein wirkt, ist umstritten

Auch wenn bei der E-Zigarette nur sehr wenig Kohlenmonoxid entsteht, bleibt bei nikotinhaltigen Produkten die gefäßverengende Wirkung des Nikotins bestehen; und auch für nikotinfreie Produkte ist nicht gezeigt, dass sie für die Heilung unbedenklich sind. Der Umstieg auf die E-Zigarette ersetzt deshalb nicht den Verzicht in der Heilungsphase.

Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis und Nikotinlutschtabletten (Nikotinersatztherapie) werden eingesetzt, um den Rauchstopp zu erleichtern. Bei ihnen entstehen weder Rauch noch die Stoffe, die bei der Verbrennung freigesetzt werden; wie sich Nikotin für sich allein auf die Wundheilung auswirkt, wird jedoch weiterhin diskutiert. Ob Sie diese Produkte in der Zeit rund um den Eingriff verwenden, sollten Sie nicht allein entscheiden, sondern auf Grundlage der Einschätzung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.

Was ist noch nicht bekannt?

  • Wie stark wirkt sich Rauchen auf das Anwachsen der Grafts aus? Diesen Effekt kann man nicht in einer Zahl angeben. Unklar ist auch, wie viel es ausmacht, wenig zu rauchen oder nur für kurze Zeit rund um den Eingriff zu verzichten.
  • Wie lange sollte man verzichten? In Studien zu anderen chirurgischen Eingriffen wird berichtet, dass der Nutzen umso größer ist, je länger der Verzicht dauert. Schon eine kurze Pause senkt Nikotin und Kohlenmonoxid im Blut; der Nutzen für Wundheilung und Infektionen zeigt sich dagegen erst bei einem längeren Verzicht deutlich. Welche Dauer bei einer Haartransplantation am besten geeignet ist, wurde nicht in Studien speziell zur Haartransplantation ermittelt; das ist auch ein Grund, warum Sie in verschiedenen Quellen unterschiedliche Zeitangaben finden.
  • Wie wirken neuere Produkte? Wie sich E-Zigaretten und Tabakerhitzer auf die Wundheilung und langfristig auf die Gesundheit auswirken, wird noch erforscht.
  • Beeinflusst Rauchen auch den Haarausfall? In einigen Beobachtungsstudien wurde ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Haarausfall vom männlichen Typ beschrieben. Solche Studien allein belegen jedoch keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang; dass Rauchen Haarausfall verursacht, ist nicht nachgewiesen.

Wie berücksichtigen wir das Rauchen bei der Untersuchung und in Ihren schriftlichen Hinweisen?

Bei der Untersuchung fragen wir, ob Sie Zigaretten, E-Zigaretten, Shisha oder andere Nikotinprodukte verwenden und wie oft. Es geht uns nicht darum, Sie zu verurteilen, sondern darum, Ihren Plan und Ihre Hinweise an Ihre tatsächlichen Gewohnheiten anzupassen. Erkrankungen wie Diabetes, die die Durchblutung beeinflussen können, gehören zur selben Beurteilung; mehr dazu lesen Sie im Beitrag Chronische Erkrankungen und Haartransplantation.

Rauchen gilt in der Regel nicht für sich allein als Hindernis für eine Haartransplantation, ist aber ein Faktor, den wir bei der Planung berücksichtigen. Ob Sie für eine Haartransplantation geeignet sind, stellen wir bei der Untersuchung fest, indem wir Ihren Gesundheitszustand als Ganzes beurteilen.

Wie lange Sie vor und nach dem Eingriff auf Zigaretten und andere Nikotinprodukte verzichten sollten, geben wir in Ihren schriftlichen Hinweisen zur Vorbereitung und Pflege an. Anderswo lesen Sie vielleicht andere Zeitangaben; richten Sie sich bitte nach Ihren persönlichen Hinweisen. Weitere Themen rund um die Vorbereitung finden Sie im Beitrag Vorbereitung auf die Haartransplantation, die allgemeine Pflege nach dem Eingriff auf der Seite Nachsorge nach Haartransplantation.

Wenn es Ihnen schwerfällt zu verzichten oder es Ihnen nicht gelungen ist, sagen Sie uns das bitte vor dem Eingriff; dann besprechen wir gemeinsam, worauf Sie in Ihrer Situation achten sollten. Wenn Sie überlegen, ganz mit dem Rauchen aufzuhören, können Sie sich von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt oder in einer Sprechstunde zur Rauchentwöhnung unterstützen lassen.

Wenn Sie während der Heilung zunehmende Schmerzen, Rötung oder Schwellung, Nässen oder Fieber bemerken, melden Sie sich bei uns, ohne auf das Nachsorgegespräch zu warten; wenn Sie uns nicht erreichen, wenden Sie sich an die nächstgelegene medizinische Einrichtung. Wie Sie normale Zeichen der Heilung von Anzeichen einer Infektion unterscheiden, erklären wir im Beitrag Juckreiz, Rötung und Pickel nach der Haartransplantation. Heilungsverlauf und Ergebnisse sind von Person zu Person verschieden.

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