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Haarwissenschaft9 Min. Lesezeit

Norwood- und Ludwig-Skala: Wie werden die Stadien des Haarausfalls eingeteilt?

Das Muster des Haarausfalls wird mit Skalen beschrieben. Wir erklären die Einteilungen nach Norwood, Ludwig, Savin, Sinclair und BASP und warum eine Skala allein nicht über eine Transplantation entscheidet.

In diesem Beitrag

Wozu dient eine Skala für Haarausfall?

Eine Skala für Haarausfall (oft auch Schema genannt) ist eine Einteilung, die Muster und Ausmaß des Haarausfalls benennt, indem sie ihn mit einer Reihe von Zeichnungen oder Beschreibungen vergleicht. Das Bild der Kopfhaut wird dem ähnlichsten Stadium der Skala zugeordnet; so genügt statt einer langen Beschreibung eine kurze Bezeichnung, die alle gleich verstehen.

Am häufigsten werden Skalen bei der androgenetischen Alopezie verwendet (Haarausfall, der mit genetischer Veranlagung und Hormonen zusammenhängt). Dieser Haarausfall folgt bei den meisten Menschen einem erkennbaren Muster; die Skala benennt dieses Muster und macht es leichter, Veränderungen im Lauf der Zeit zu verfolgen. Wie sich Haarausfall vom männlichen Typ entwickelt, erklären wir im Beitrag Haarausfall vom männlichen Typ.

Nicht jeder Haarausfall passt in eine Skala. Fallen die Haare in einzelnen Flecken oder innerhalb kurzer Zeit großflächig aus, oder wird der Haarausfall von Juckreiz, Rötung oder Schuppung begleitet, kann das auf andere Ursachen hindeuten. Dann geht es nicht darum, ein Stadium zu bestimmen, sondern die Ursache zu klären; für die Diagnose empfehlen wir Ihnen, eine Hautärztin oder einen Hautarzt aufzusuchen.

Hamilton-Norwood-Skala: sieben Stadien bei Männern

Die am häufigsten verwendete Einteilung für Haarausfall vom männlichen Typ ist die Hamilton-Norwood-Skala, kurz Norwood-Skala. Benannt ist sie nach Hamilton, der Anfang der 1950er-Jahre eine Einteilung vorschlug, und nach Norwood, der sie in den 1970er-Jahren erweiterte. Die Skala verfolgt den Haarausfall in zwei Bereichen: am vorderen Haaransatz mit den Schläfen (Frontotemporalregion) und am Wirbel (Vertex).

Die Hauptstadien der Hamilton-Norwood-Skala (vereinfachte Beschreibung)
StadiumWas ist zu sehen?
IAm vorderen Haaransatz und an den Schläfen kein oder nur ein sehr geringer Rückgang.
IILeichter, dreieckiger Rückgang an den Schläfen, meist auf beiden Seiten ähnlich.
IIIDer Rückgang an den Schläfen wird tiefer; diese Bereiche sind kahl oder sehr licht. Norwood beschrieb dieses Stadium als das früheste, das man als Glatzenbildung bezeichnen kann.
III VertexDer Rückgang im vorderen Bereich geht nicht über Stadium III hinaus; der Haarausfall betrifft vor allem den Wirbel.
IVDer Rückgang im vorderen Bereich ist tiefer als in Stadium III; auch der Wirbel ist licht oder kahl. Ein Band aus mäßig dichtem Haar, das über den Oberkopf verläuft, trennt die beiden Bereiche.
VDie kahlen Bereiche vorne und am Wirbel werden größer; das Haarband dazwischen wird schmaler und lichter, die beiden Bereiche lassen sich aber noch voneinander unterscheiden.
VIDas Haarband dazwischen ist verschwunden oder sehr licht geworden; vorderer Bereich und Wirbel gehen ineinander über, und die kahle Fläche dehnt sich zu den Seiten und nach hinten aus.
VIIDas am weitesten fortgeschrittene Stadium. Es bleibt nur ein schmaler, hufeisenförmiger Haarkranz, der vor den Ohren beginnt und an den Kopfseiten und am unteren Hinterkopf entlangläuft; auch diese Haare sind oft nicht besonders dicht.

In Wirklichkeit verläuft Haarausfall nicht immer so regelmäßig wie auf den Zeichnungen; Befunde, die zwischen zwei Stadien liegen, sind häufig. Bei vielen Männern weicht der Haaransatz nach der Pubertät außerdem an den Schläfen etwas zurück; das nennt man Reifung des Haaransatzes. Ob dies der Beginn eines fortschreitenden Haarausfalls ist, lässt sich bei einer einzigen Untersuchung nicht immer leicht erkennen.

Typ A und Haarausfall, der in keine Skala passt

Bei manchen Männern beginnt der Haarausfall nicht getrennt an den Schläfen und am Wirbel. Der vordere Haaransatz weicht als Ganzes, in einer Linie zurück; in der Mitte bleibt keine nach vorn reichende Haarinsel stehen, und am Wirbel entsteht keine eigene kahle Stelle. Norwood hat diese Form von den Hauptstadien unterschieden und als IIa, IIIa, IVa und Va bezeichnet.

Mit fortschreitendem Haarausfall reicht die kahle Fläche von vorn immer weiter in Richtung Wirbel. Typ A ist seltener als das Muster der Hauptstadien; bei dieser Form stehen bei der Planung meist der vordere Bereich und der Haaransatz im Mittelpunkt.

Bei manchen Männern breitet sich das Ausdünnen dagegen ohne erkennbares Muster über den Oberkopf aus, manchmal auch über Hinterkopf und Seiten. Wird bei diesem Bild, das nicht in die Norwood-Skala passt, auch der Spenderbereich (Hinterkopf und Seiten, aus denen wir die Haarwurzeln für die Transplantation entnehmen) dünner, ist eine Transplantation meist keine geeignete Option.

Skalen bei Frauen: Ludwig, Savin und Sinclair

Bei Frauen bleibt der Haaransatz meist erhalten; die Haare werden vor allem im Wirbelbereich und rund um den Scheitel großflächig dünner. Da die Norwood-Skala dieses Bild nicht gut beschreibt, verwendet man bei Frauen eigene Skalen, die darauf achten, wie stark das Ausdünnen ist.

Die wichtigsten Skalen bei Haarausfall vom weiblichen Typ
SkalaWorauf achtet sie?Wie stuft sie ein?
LudwigAusdünnen, das sich auf dem Oberkopf hinter dem vorderen Haaransatz ausbreitet; am Haaransatz bleibt ein wenige Zentimeter breiter Haarstreifen erhaltenDrei Stadien: leicht (I), deutlich (II) und ein fortgeschrittenes Stadium, in dem die Kopfhaut in diesem Bereich weitgehend frei liegt (III)
SavinDer Mittelscheitel, von oben betrachtetDas Bild wird der ähnlichsten Abbildung aus einer Bildreihe zugeordnet, die verschiedene Dichtegrade von leicht bis fortgeschritten zeigt
SinclairBreite des Scheitels und Haarvolumen zu beiden SeitenFünf Stadien: 1 steht für ein normales Bild, 5 für fortgeschrittenes Ausdünnen

Bei manchen Frauen ist das Ausdünnen im vorderen Bereich ausgeprägter und wird entlang des Scheitels nach vorn breiter; wegen seiner Form spricht man hier vom „Tannenbaummuster“. Bei manchen Frauen weicht der Haaransatz an den Schläfen auch ähnlich zurück wie beim männlichen Typ; solche Bilder passen nicht immer genau in die Skalen für Frauen.

Das Ausdünnen hat bei Frauen nicht immer nur eine Ursache; auch Schilddrüsenprobleme oder Eisenmangel können dazu beitragen, und das zeigt die Skala nicht. Die Merkmale des Haarausfalls vom weiblichen Typ erklären wir im Beitrag Haarausfall vom weiblichen Typ, und in welchen Fällen wir eine Transplantation in Betracht ziehen, auf der Seite Haartransplantation für Frauen.

BASP-Einteilung: Haaransatz und Dichte zusammen

BASP ist eine Einteilung, die in den 2000er-Jahren vorgeschlagen wurde, um Haarausfall vom männlichen und vom weiblichen Typ in einem einzigen System zu beschreiben. Der Name ist eine Abkürzung aus zwei englischen Wörtern, die „grundlegend“ und „spezifisch“ bedeuten. Der Grundtyp beschreibt die Form des vorderen Haaransatzes, der spezifische Typ die Dichte auf dem Oberkopf und am Wirbel:

  • L: Am vorderen Haaransatz gibt es keinen Rückgang.
  • M: Die Schläfen sind stärker zurückgewichen als die Mitte des Haaransatzes; die Linie ähnelt dem Buchstaben M.
  • C: Die Mitte des Haaransatzes ist stärker zurückgewichen als die Schläfen; die Linie bildet einen Bogen wie der Buchstabe C.
  • U: Der Haaransatz ist bis hinter den Wirbel zurückgewichen; das verbleibende Haar hat die Form eines Hufeisens.
  • F: Diffuses Ausdünnen auf dem Oberkopf, unabhängig vom vorderen Haaransatz.
  • V: Ausdünnen, das vor allem am Wirbel deutlich wird.

Die Zahl neben dem Buchstaben gibt an, wie weit der Befund fortgeschritten ist. Das Ergebnis besteht aus einem Grundtyp und, wenn nötig, spezifischen Typen, die nebeneinander geschrieben werden; ein Ergebnis wie „M2V1“ bedeutet zum Beispiel, dass ein Rückgang an den Schläfen und ein Ausdünnen am Wirbel zusammen vorliegen, und die Zahlen geben jeweils den Grad an.

So lässt sich auch ein Mann beschreiben, dessen Haaransatz erhalten ist, während der Oberkopf dünner wird; im Praxisalltag ist diese Einteilung allerdings nicht so verbreitet wie die Norwood-Skala.

Was zeigt eine Skala nicht?

Eine Skala fasst zusammen, wie der Haarausfall heute aussieht; der Plan für eine Transplantation stützt sich aber auch auf Informationen, die die Skala nicht zeigt:

  • Sie zeigt nicht den Spenderbereich. Skalen achten auf den lichter werdenden Bereich; wie viel gesundes Haar am Hinterkopf und an den Seiten vorhanden ist, sagen sie nicht. Zwei Menschen im selben Stadium können einen sehr unterschiedlichen Spenderbereich haben.
  • Sie zeigt nicht die Beschaffenheit der Haare. Dicke und Wellung der Haare sowie der Unterschied zwischen Ihrer Haar- und Hautfarbe beeinflussen, wie gut dieselbe Anzahl Haare die Kopfhaut bedeckt.
  • Sie misst nicht, wie stark die Haarwurzeln geschrumpft sind. Geschrumpfte (miniaturisierte), aber noch vorhandene Haare können einen Bereich voller wirken lassen, als er ist; ein Teil dieser Haare kann mit der Zeit noch dünner werden oder ausfallen.
  • Sie zeigt nicht das Tempo. Wie schnell der Haarausfall fortschreitet, lässt sich nur durch einen Vergleich über die Zeit erkennen.
  • Die Einstufung kann je nach beurteilender Person unterschiedlich ausfallen. Licht, Haarlänge und Frisur sowie die Person, die beurteilt, können dazu führen, dass dasselbe Bild verschiedenen Stadien zugeordnet wird.

Ein fortgeschrittenes Stadium bedeutet deshalb für sich allein nicht, dass keine Transplantation möglich ist, und ein frühes Stadium nicht, dass eine Transplantation infrage kommt. Tabellen und Rechner im Internet, die je nach Stadium eine Anzahl an Grafts (Gruppen von Haarwurzeln, die gemeinsam verpflanzt werden) vorschlagen, können eine grobe Vorstellung geben, ersetzen aber keine persönliche Planung. Wir nennen vorab keine feste Zahl an Grafts; die Anzahl, die Sie brauchen, legen wir bei der Untersuchung im Rahmen der Planung fest. Wovon der Bedarf an Grafts abhängt, erklären wir im Beitrag zur Anzahl der Grafts.

Was wissen wir noch nicht?

Es gibt keine Methode, die vorab sicher sagt, in welchem Stadium der Haarausfall zum Stillstand kommt; die Familiengeschichte und das Alter, in dem der Haarausfall begonnen hat, geben nur Anhaltspunkte. Die Skalen beruhen auf Beobachtungen in bestimmten Bevölkerungsgruppen; bei Menschen unterschiedlicher Herkunft kann das Muster des Haarausfalls anders aussehen. Keine von ihnen misst die Haardichte in Zahlen; alle beruhen auf einem visuellen Vergleich.

Wie nutzen wir die Skala bei der Untersuchung?

Bei der Untersuchung beschreiben wir das Muster Ihres Haarausfalls mit einer Skala; so lassen sich Veränderungen bei späteren Kontrollterminen leichter vergleichen. Der Plan für eine Transplantation stützt sich aber auch auf folgende Informationen:

  • Haardichte im Spenderbereich und ob sich dort Anzeichen von Ausdünnen zeigen
  • Dicke und Wellung Ihrer Haare sowie dünner gewordene Haare im Empfängerbereich; eine Untersuchung der Kopfhaut mit einem vergrößernden Gerät (Trichoskopie) kann helfen, dies zu erkennen
  • Ihr Alter, Ihre Familiengeschichte, wann der Haarausfall begonnen hat, wie er verlaufen ist und ob es eine andere Ursache gibt
  • Ihre Erwartungen und die Bereiche, die Ihnen am wichtigsten sind

Je größer die kahle Fläche wird, desto wichtiger wird das Verhältnis zwischen den Grafts, die der Spenderbereich liefern kann, und der Fläche, die abgedeckt werden soll; in fortgeschrittenen Stadien ist es meist nicht möglich, jeden Bereich gleich dicht abzudecken. Welche Bereiche Vorrang haben, legen wir gemeinsam mit Ihnen fest. Warum der Spenderbereich eine begrenzte Ressource ist, erklären wir im Beitrag Spenderbereich und Spenderdominanz.

Die Transplantation verhindert nicht, dass Ihre eigenen Haare in nicht transplantierten Bereichen ausfallen; dieser Haarausfall kann mit der Zeit fortschreiten. Auch medikamentöse Behandlungen, die das Fortschreiten des Haarausfalls verlangsamen sollen, können Teil des Plans sein. Ob sie für Sie geeignet sind, beurteilt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; wir empfehlen Ihnen, nicht eigenmächtig mit einer medikamentösen Behandlung zu beginnen.

Ob Sie für eine Haartransplantation geeignet sind, wird bei der Untersuchung festgestellt; auch die Ergebnisse sind von Person zu Person verschieden.

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