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Nachrichten aus aller Welt7 Min. Lesezeit

JAK-Hemmer bei kreisrundem Haarausfall: Entwicklungen 2024–2026

Seit Juli 2024 haben JAK-Hemmer zum Einnehmen neue Zulassungen für schweren kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) erhalten, und es wurden Ergebnisse aus Langzeit- und Phase-3-Studien veröffentlicht. Wir erklären, was passiert ist, wie stark die Belege sind und was das für Menschen bedeutet, die eine Haartransplantation erwägen.

In diesem Beitrag

Was ist von 2024 bis 2026 passiert?

Zwischen Juli 2024 und September 2026 haben drei JAK-Hemmer zum Einnehmen eine neue Zulassung für schweren kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) erhalten: Deuruxolitinib in den USA und im Vereinigten Königreich, Upadacitinib in der Europäischen Union und Baricitinib für Jugendliche in den USA. Außerdem wurden Studienergebnisse zu Ritlecitinib und Upadacitinib in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht. Die Einzelheiten haben wir nach Wirkstoff geordnet.

Deuruxolitinib: Zulassung in den USA und im Vereinigten Königreich

Die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) hat Deuruxolitinib im Juli 2024 für Erwachsene mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen. Es war das dritte Medikament, das in den USA für kreisrunden Haarausfall zugelassen wurde; zuvor waren Baricitinib (Juni 2022) und Ritlecitinib (Juni 2023) zugelassen worden.

Die britische Arzneimittelbehörde (MHRA) hat denselben Wirkstoff am 10. März 2026 zur Behandlung von schwerem kreisrundem Haarausfall bei Erwachsenen zugelassen und die Entscheidung am 12. März 2026 bekannt gegeben.

Baricitinib: Erweiterung auf Jugendliche

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 26. Februar 2026 eine positive Stellungnahme zur Anwendung von Baricitinib bei Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren mit schwerem kreisrundem Haarausfall abgegeben. Einige Nachrichtenquellen berichteten, die Europäische Kommission habe die Zulassung im April 2026 erteilt; dieses Datum ließ sich anhand offizieller Unterlagen nicht überprüfen. In den USA gab der Hersteller am 25. September 2026 bekannt, dass die FDA Baricitinib für Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen hat. Die US-Zulassung von Ritlecitinib umfasst seit Juni 2023 Personen ab 12 Jahren.

Ritlecitinib: Langzeitergebnisse

Aus der Langzeitstudie mit Ritlecitinib wurden die Zweijahresergebnisse 2025 und die Dreijahresergebnisse 2026 in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht.

Upadacitinib: Phase-3-Ergebnisse und Zulassung in der Europäischen Union

Der Hersteller gab am 30. Juli und am 21. August 2025 die ersten Ergebnisse von zwei Phase-3-Studien (Phase 3 ist der Abschnitt, in dem ein Medikament vor der Zulassung an großen Patientengruppen erprobt wird) bei Jugendlichen und Erwachsenen mit schwerem kreisrundem Haarausfall bekannt. Nach Angaben des Unternehmens wurde im April 2026 in den USA ein Zulassungsantrag gestellt; die Europäische Kommission hat Upadacitinib im Juli 2026 für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene zugelassen. Die Ergebnisse beider Studien wurden am 12. August 2026 online in einer begutachteten dermatologischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Ob über den Antrag in den USA entschieden wurde, ließ sich bei Erstellung dieses Beitrags nicht überprüfen.

Wie wirken JAK-Hemmer?

Beim kreisrunden Haarausfall sammeln sich Immunzellen um Haarwurzeln in der Wachstumsphase und lösen eine Entzündung aus, die die Haarbildung stört. Für ihre Kommunikation nutzen diese Zellen einen Signalweg, an dem Enzyme namens Januskinasen (JAK) beteiligt sind. Indem sie diesen Signalweg unterdrücken, sollen JAK-Hemmer die gegen die Haarwurzel gerichtete Immunreaktion dämpfen. Da die Haarwurzel beim kreisrunden Haarausfall meist nicht zugrunde geht, kann das Haar wieder wachsen, wenn die Entzündung abklingt.

Diese Medikamente beseitigen die Erkrankung nicht, sondern unterdrücken ihre Aktivität; wird das Medikament abgesetzt, können die Haare erneut ausfallen. Sie sind verschreibungspflichtig und werden wegen möglicher Nebenwirkungen wie Infektionen unter hautärztlicher Kontrolle eingesetzt, mit regelmäßigen Untersuchungen und Blutkontrollen. Für wen sie geeignet sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; beginnen Sie mit keinem davon eigenmächtig.

Wie stark sind die Belege, und was ist noch unbekannt?

Die folgenden Zahlen geben den Anteil der Patientinnen und Patienten an, bei denen mindestens 80 % der Kopfhaut mit Haaren bedeckt waren (20 Punkte oder weniger auf der SALT-Skala für Haarverlust). Ein Placebo ist ein Vergleichspräparat, das genauso aussieht wie das Medikament, aber keinen Wirkstoff enthält.

Anteil der Patientinnen und Patienten, bei denen mindestens 80 % der Kopfhaut mit Haaren bedeckt waren (die Medikamente lassen sich anhand dieser Zahlen nicht miteinander vergleichen)
WirkstoffStudie und TeilnehmendeErgebnisStand
DeuruxolitinibZwei Phase-3-Studien; insgesamt 1.223 Erwachsene von 18 bis 65 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten auf mindestens der Hälfte der Kopfhaut Haarverlust hattenIn Woche 24 mit der zugelassenen Dosis etwa 30 %In den USA und im Vereinigten Königreich für Erwachsene zugelassen
Baricitinib (Jugendliche)Gruppe der Jugendlichen in einer Phase-3-StudieIn Woche 36 mit der hohen Dosis 42 %, mit der niedrigen Dosis 27 %; in der Placebogruppe 5 %Vom Unternehmen veröffentlichte Daten; in den USA ab 12 Jahren zugelassen
Ritlecitinib (2 Jahre)Langzeitstudie ohne Placebo; 449 Patientinnen und Patienten, die direkt in diese Studie aufgenommen wurdenIm 24. Monat 73,5 % (nur Teilnehmende, die zur Kontrolle kamen) oder 60,9 % (vorsichtige Berechnung)In einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht (2025)
Ritlecitinib (3 Jahre)191 Patientinnen und Patienten, die aus einer früheren Studie in diese Studie übergegangen warenIm dritten Jahr 65,1 % (nur Teilnehmende, die zur Kontrolle kamen) oder 47,1 % (vorsichtige Berechnung)In einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht (2026)
UpadacitinibZwei placebokontrollierte Phase-3-Studien; insgesamt 1.399 Jugendliche ab 12 Jahren und ErwachseneIn Woche 24 mit der niedrigen Dosis etwa 45 %, mit der hohen Dosis etwa 54–55 %; in den Placebogruppen 1,5–3,4 %In einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht (2026); in der EU zugelassen, Ausgang des US-Antrags nicht überprüfbar

Beim Lesen dieser Zahlen ist Folgendes gut zu wissen:

  • Die Medikamente lassen sich nicht in eine Rangfolge bringen. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Studien; die Merkmale der Teilnehmenden, die Beobachtungsdauer und die Berechnungsmethoden sind nicht gleich.
  • Die Langzeitdaten haben Grenzen. In der Ritlecitinib-Studie gab es keine Placebogruppe, und die Teilnehmenden wussten, was sie einnahmen. Werden nur diejenigen gezählt, die zur Kontrolle kamen, fällt der Anteil hoch aus; wird bei fehlenden Messungen jeweils der letzte vorliegende Messwert verwendet (vorsichtige Berechnung), sinkt er. In die Studie wurden Personen ab 12 Jahren mit mindestens 25 % Haarverlust auf der Kopfhaut aufgenommen; zugelassen ist das Medikament dagegen für schweren kreisrunden Haarausfall. In der Dreijahresauswertung wurde berichtet, dass etwa 88–90 % derjenigen, die im ersten Jahr angesprochen hatten, ihr Ansprechen beibehielten und dass keine neuen Sicherheitsbefunde auftraten.
  • Die Sicherheitswarnungen bleiben bestehen. In den Studien mit Deuruxolitinib gehörten Kopfschmerzen und Akne zu den häufigsten Nebenwirkungen. Der als „Boxed Warning“ hervorgehobene Warnhinweis in der US-Produktinformation von Baricitinib (höchste Warnstufe; er betrifft die Risiken für schwere Infektionen, Todesfälle, Krebs, schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse und Blutgerinnsel) gilt auch für Jugendliche; das Unternehmen gab an, dass das Sicherheitsprofil bei Jugendlichen dem bei Erwachsenen ähnelt.
  • Die Wirkung über viele Jahre ist noch nicht bekannt. Wie sich Wirkung und Sicherheit entwickeln, wenn diese Medikamente jahrelang eingenommen werden, wird noch erforscht.

Diese Zahlen beziehen sich auf Studiengruppen; wie jemand auf ein Medikament anspricht, ist von Person zu Person verschieden.

Wie ist die Lage in der Türkei?

Ob die in diesem Beitrag genannten Wirkstoffe in der Türkei für kreisrunden Haarausfall zugelassen sind, welche Altersgruppen eine Zulassung umfasst und ob die Kosten erstattet werden, ließ sich bei Erstellung dieses Beitrags anhand offizieller Quellen nicht überprüfen. Eine Zulassung in einem anderen Land bedeutet nicht, dass das Medikament auch in der Türkei zugelassen oder erhältlich ist. Wenn bei Ihnen kreisrunder Haarausfall festgestellt wurde, beurteilt Ihre Hautärztin oder Ihr Hautarzt, welche Behandlung für Sie geeignet ist.

Was bedeutet das für Menschen, die eine Haartransplantation erwägen?

Diese Zulassungen gelten für schweren kreisrunden Haarausfall; Haarausfall vom männlichen oder weiblichen Typ ist davon nicht erfasst. Wie erblich bedingter Haarausfall fortschreitet, erklären wir im Beitrag Haarausfall vom männlichen Typ.

Solange kreisrunder Haarausfall aktiv ist, ist eine Haartransplantation nicht geeignet: Auch transplantierte Haare können von der Erkrankung betroffen sein, und ausgefallene Haare können von selbst oder mit einer Behandlung nachwachsen. Die Gründe erklären wir ausführlich im Beitrag Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata); weitere Situationen, in denen eine Transplantation möglicherweise nicht geeignet ist, haben wir im Beitrag Für wen ist eine Haartransplantation nicht geeignet? zusammengestellt.

  • Wenn bei Ihnen kreisrunder Haarausfall festgestellt wurde oder Sie ihn vermuten, wenden Sie sich zuerst an eine Hautärztin oder einen Hautarzt; online stellen wir keine Diagnose.
  • Wenn Sie einen JAK-Hemmer oder ein anderes Medikament einnehmen, teilen Sie das der Einrichtung, an die Sie sich wegen einer Haartransplantation wenden, vor der Untersuchung mit; setzen Sie Ihr Medikament nicht ab, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen.
  • Selbst wenn die Erkrankung schon lange ruhig ist, wird eine Transplantation erst bei der Untersuchung besprochen, nachdem die Einschätzung Ihrer Hautärztin oder Ihres Hautarztes vorliegt.

Wenn wir kreisrunden Haarausfall vermuten, stellen wir die Planung der Transplantation zurück und verweisen Sie an eine Hautärztin oder einen Hautarzt. Ob Sie für eine Haartransplantation geeignet sind, wird bei der Untersuchung festgestellt; auch die Ergebnisse sind von Person zu Person verschieden.

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