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Haarwissenschaft9 Min. Lesezeit

In welchem Alter ist eine Haartransplantation möglich? Alter, Verlauf des Haarausfalls und Planung

Das Alter spielt bei einer Haartransplantation eine Rolle, entscheidet aber nicht allein. Wir erklären, wie wir planen: Neben Ihrem Alter berücksichtigen wir, wie weit der Haarausfall künftig fortschreiten könnte, wie es um Ihren Spenderbereich steht und wie Ihre allgemeine Gesundheit ist.

In diesem Beitrag

Gibt es das richtige Alter für eine Haartransplantation?

Ein Alter, das für alle gilt, gibt es nicht. Ihr Alter beeinflusst den Plan; entscheidend ist aber vor allem, wie Ihr Haarausfall verläuft und wofür Ihr Spenderbereich (Hinterkopf und Seiten, aus denen wir die Grafts entnehmen) heute und in Zukunft ausreichen kann.

Das Formular zur Haaranalyse auf unserer Website ist nur für Personen ab 18 Jahren gedacht. Das heißt nicht, dass jeder, der 18 geworden ist, für eine Haartransplantation geeignet ist. Ebenso wenig schließt ein höheres Alter eine Transplantation von vornherein aus; in jedem Alter wird anhand der Befunde der Untersuchung entschieden.

In anderen Quellen finden Sie vielleicht ein bestimmtes Alter, das als „richtiges Alter für eine Haartransplantation“ genannt wird. Hinter solchen Zahlen steht meist dieselbe Sorge: nichts zu überstürzen, solange noch unklar ist, wie der Haarausfall verläuft. Sie geben aber nur eine grobe Orientierung; bei zwei Menschen im selben Alter kann der Haarausfall ganz unterschiedlich fortschreiten.

Warum spielt das Alter eine Rolle? Haarausfall kann mit der Zeit fortschreiten

In den meisten Fällen, in denen eine Haartransplantation in Erwägung gezogen wird, ist die Ursache des Haarausfalls eine androgenetische Alopezie (Haarausfall, der mit erblicher Veranlagung und Hormonen zusammenhängt). Bei Männern kann dieser Haarausfall in jedem Alter nach der Pubertät beginnen und schreitet meist über Jahre fort, unterschiedlich schnell von Person zu Person. Follikel (Haarwurzeln), die empfindlich auf den Einfluss der Hormone reagieren, werden von Zyklus zu Zyklus kleiner; die Haare werden dünner und kürzer und können die Kopfhaut mit der Zeit nicht mehr bedecken.

Eine Haartransplantation hält diesen Prozess nicht auf. Die Follikel, die wir aus dem Spenderbereich entnehmen, behalten auch an ihrem neuen Ort in der Regel ihre Eigenschaft, weniger empfindlich auf Haarausfall zu reagieren. Ihre eigenen Haare rund um den transplantierten Bereich können aber weiter dünner werden.

Deshalb muss der Plan das Bild in einigen Jahren ebenso berücksichtigen wie das heutige. Werden die Haare hinter dem transplantierten Bereich mit der Zeit lichter, kann zwischen transplantiertem und lichter werdendem Bereich eine Lücke entstehen, die nicht natürlich aussieht.

Alter und Haarausfall bei Frauen

Beim Haarausfall vom weiblichen Typ bleibt der Haaransatz meist erhalten; das Ausdünnen verteilt sich vor allem im Wirbelbereich und rund um den Scheitel auf eine größere Fläche. Nach den Wechseljahren kann es deutlicher werden.

Bei Frauen können auch vorübergehende oder behandelbare Ursachen zu Haarausfall führen, etwa die Zeit nach einer Geburt, Schilddrüsenprobleme oder Eisenmangel; bei der Planung geht es deshalb zuerst um die Ursache des Haarausfalls und erst dann um das Alter. Dafür sind manchmal eine Blutuntersuchung oder die Beurteilung durch eine Hautärztin oder einen Hautarzt nötig. In welchen Fällen wir bei Frauen eine Transplantation in Betracht ziehen, erklären wir auf der Seite Haartransplantation für Frauen.

Warum planen wir in jungen Jahren vorsichtig?

Wird der Haarausfall schon in jungen Jahren deutlich, zum Beispiel Anfang zwanzig, sind wir aus mehreren Gründen vorsichtig:

  • Wie weit der Haarausfall fortschreitet, ist noch nicht absehbar. Früh beginnender Haarausfall kann sich später auf eine größere Fläche ausdehnen; bei wem er wie stark fortschreitet, lässt sich in dieser Phase aber oft nicht abschätzen.
  • Der Spenderbereich ist begrenzt. Die Zahl der Follikel im Spenderbereich nimmt im Laufe des Lebens nicht zu; für einen entnommenen Follikel wächst kein neuer nach. Jedes Graft, das heute verwendet wird, steht später für Bereiche, die lichter werden könnten, nicht mehr zur Verfügung. Deshalb planen wir in jungen Jahren, einen Teil des Spenderbereichs für den künftigen Bedarf zurückzuhalten. Wie der Spenderbereich beurteilt wird, erklären wir im Beitrag Spenderbereich und Spenderdominanz.
  • Der Haaransatz verändert sich mit dem Alter. Bei den meisten Männern weicht der Haaransatz nach der Pubertät etwas nach oben zurück. Ein so tiefer und gerader Haaransatz wie in der frühen Jugend mag Ihnen heute passend erscheinen, passt aber Jahre später womöglich nicht mehr zu Ihrem Gesicht. Werden die Haare dahinter lichter, können zusätzliche Grafts nötig sein, um den Bereich dazwischen aufzufüllen, und der Spenderbereich reicht dafür nicht immer aus. Einen tief gesetzten Haaransatz nachträglich wieder nach oben zu verlegen, ist ebenfalls nicht einfach. Dieses Thema behandeln wir im Beitrag Gestaltung des Haaransatzes.
  • Der Unterschied zwischen Erwartung und Möglichem. Wenn der Haarausfall gerade erst begonnen hat, wünschen sich viele den Haaransatz und die Dichte von vor einigen Jahren zurück. Eine Haartransplantation erhöht die Gesamtzahl der Haare jedoch nicht; sie verteilt die Haare aus dem Spenderbereich neu. Was heute und was später möglich sein kann, besprechen wir offen mit Ihnen.

Das heißt nicht, dass in jungen Jahren grundsätzlich keine Transplantation infrage kommt. Bei manchen Menschen, deren Haarausfall auf einen bestimmten Bereich begrenzt ist und deren Spenderbereich ausreicht, kann ein maßvoller Plan besprochen werden. Manchmal empfehlen wir auch, die Transplantation eine Zeit lang aufzuschieben, den Verlauf des Haarausfalls zu beobachten oder mit einem kleineren Bereich zu beginnen.

Auch medikamentöse Behandlungen, die den Haarausfall verlangsamen sollen, können in dieser Phase zur Sprache kommen. Ob sie für Sie geeignet sind, kann nur Ihre Ärztin oder Ihr Arzt beurteilen; beginnen Sie nicht eigenmächtig mit einer medikamentösen Behandlung.

Nicht jeder Haarausfall in jungen Jahren ist erblich bedingt. Wenn Ihre Haare in einzelnen Flecken ausfallen oder nach einer Krankheit, einer Operation oder einer Zeit mit starkem Stress innerhalb kurzer Zeit stark auszufallen begonnen haben, empfehlen wir Ihnen, die Ursache zuerst von einer Hautärztin oder einem Hautarzt abklären zu lassen.

Worauf achten wir in höherem Alter?

Mit zunehmendem Alter wird das Muster des Haarausfalls oft deutlicher; es lässt sich leichter erkennen, welche Bereiche lichter werden und in welchem Zustand der Spenderbereich ist. Das kann den Plan besser vorhersehbar machen. Trotzdem kann der Haarausfall auch in höherem Alter weitergehen. In dieser Phase stehen etwas andere Fragen im Vordergrund:

  • Zustand des Spenderbereichs: Mit dem Alter können die Haare auf der ganzen Kopfhaut dünner werden; davon kann auch der Spenderbereich betroffen sein. Wie dicht die Haare im Spenderbereich stehen und wie dick sie sind, beurteilen wir deshalb besonders sorgfältig.
  • Allgemeine Gesundheit und Medikamente: Chronische Erkrankungen, die mit dem Alter häufiger werden, etwa Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck, sowie blutverdünnende Medikamente können den Plan und den Zeitpunkt des Eingriffs beeinflussen. Eine gut eingestellte chronische Erkrankung ist nicht von vornherein ein Hindernis; wir beurteilen sie vor dem Eingriff gemeinsam mit Ihnen und, wenn nötig, mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt. Setzen Sie Ihre Medikamente nicht eigenmächtig ab. Einzelheiten finden Sie im Beitrag Chronische Erkrankungen und Haartransplantation.
  • Haarfarbe und Erscheinungsbild: Der Kontrast zwischen Haar- und Hautfarbe beeinflusst, wie dicht dieselbe Anzahl Haare wirkt. Bei heller Haut zum Beispiel können weiß gewordene Haare lichte Stellen weniger auffallen lassen; auch das berücksichtigen wir im Plan.
  • Erwartungen: Das Ziel besprechen wir gemeinsam mit Ihnen; Maßstab ist ein Erscheinungsbild, das zu Ihrem Gesicht und Ihrem Alter passt.

Wie unterscheidet sich der Plan in jungen Jahren und in höherem Alter?

Die folgende Tabelle gibt einen allgemeinen Rahmen; was in jedem Punkt zu tun ist, ist von Person zu Person verschieden.

Fragen, die bei der Planung je nach Alter im Vordergrund stehen (allgemeiner Rahmen)
ThemaIn jungen JahrenIn höherem Alter
Verlauf des HaarausfallsWie weit er fortschreitet, ist schwer abzuschätzen.Das Muster ist oft deutlicher; trotzdem kann er weitergehen.
SpenderbereichWir planen, einen Teil für Bereiche zurückzuhalten, die später Grafts brauchen könnten.Wir prüfen ihn sorgfältig auf altersbedingtes Ausdünnen.
HaaransatzWir planen einen Haaransatz, der auch Jahre später noch zu Ihrem Gesicht passen kann.Wir streben einen Haaransatz an, der Ihr Gesicht passend zu Ihrem Alter umrahmt.
Gesundheitliche FragenWir prüfen, ob der Haarausfall eine andere Ursache als eine erbliche Veranlagung hat.Chronische Erkrankungen und Medikamente können den Plan und den Zeitpunkt beeinflussen.

Was können wir nicht vorab wissen?

Entscheidungen rund um das Alter sind schwierig, weil es auf einige Fragen bis heute keine sichere Antwort gibt:

  • Wo kommt der Haarausfall zum Stillstand? Die Familiengeschichte, das Alter bei Beginn des Haarausfalls und sein heutiges Tempo geben Anhaltspunkte, aber keine sichere Vorhersage. Skalen wie die Norwood- und die Ludwig-Skala beschreiben das heutige Stadium des Haarausfalls, zeigen aber nicht, wo er stehen bleibt. Einen Test, der bei einem einzelnen Menschen sicher zeigt, wie weit der Haarausfall fortschreiten wird, gibt es derzeit ebenfalls nicht.
  • Wie wird die Behandlung anschlagen? Wie gut medikamentöse Behandlungen wirken, ist von Person zu Person verschieden; das können wir nicht sicher vorhersagen.
  • Wird später ein weiterer Eingriff nötig? Schreitet der Haarausfall fort, kann Jahre später eine weitere Sitzung für neue Bereiche zur Sprache kommen. Deshalb erstellen wir den ersten Plan so, dass er Raum für einen möglichen nächsten Schritt lässt. Darauf gehen wir im Beitrag Zweite Sitzung bei der Haartransplantation gesondert ein.

Wie berücksichtigen wir Ihr Alter bei der Untersuchung?

Bei der Untersuchung betrachten wir Ihr Alter nicht als Altersgrenze, sondern als Teil der Vorgeschichte Ihres Haarausfalls. Gemeinsam sehen wir uns Folgendes an:

  • Wann der Haarausfall begonnen hat und wie schnell er in den letzten Jahren fortgeschritten ist
  • Ob es in Ihrer Familie ähnlichen Haarausfall gibt und wie er verlaufen ist
  • In welchem Stadium der Haarausfall heute ist und welche Bereiche er betrifft
  • Wie dicht die Haare im Spenderbereich stehen, wie dick sie sind und ob sich auch dort Anzeichen von Ausdünnen zeigen
  • Ob es im Empfängerbereich Follikel gibt, die dünner geworden sind, aber noch Haar bilden
  • Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und Ihre Medikamente
  • Ihre Erwartungen und was heute und später möglich ist

Auf dieser Grundlage planen wir manchmal eine Transplantation; manchmal empfehlen wir, den Verlauf eine Zeit lang zu beobachten oder den Haarausfall zuerst von einer Hautärztin oder einem Hautarzt beurteilen zu lassen. Wenn wir eine Transplantation planen, berücksichtigen wir auch, wie weit der Spenderbereich für Bereiche reichen kann, die später lichter werden könnten. Die endgültige Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit der untersuchenden Ärztin oder dem untersuchenden Arzt.

Ob Sie für eine Haartransplantation geeignet sind, wird bei der Untersuchung festgestellt; auch die Ergebnisse sind von Person zu Person verschieden.

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